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am 26. Mai

Volksgruppenförderung – eine Überlebensfrage

Olga Voglauer - Gefahr im Verzug - Volksgruppenförderung wurde seit 25 Jahren nicht erhöht. Durch den monetären Wertverlust sei den Volksgruppen bereits über das letzte Vierteljahrhundert ein nicht wiedergutzumachender Schaden entstanden. „Den Verlust an angewandter Sprache, an gelebter Kultur und Tradition, an gelebter Bildung – diesen können wir nicht rückgängig machen oder ausgleichen.

​Der Umgang mit den Volksgruppen ist Visitenkarte Österreichs.

Klagenfurt – „Für die sechs anerkannten Volksgruppen und ihre Institutionen ist die Volksgruppenförderung kein Budgetposten wie jeder andere. Und das sollte auch für einen verantwortungsvollen Umgang seitens der Bundesregierung gelten“, nimmt Olga Voglauer, Nationalratsabgeordnete und Volksgruppensprecherin der Grünen den Koalitionspartner ÖVP und auch die Grünen selbst in die Pflicht. In ihrer heutigen Rede im österreichischen Nationalrat wies die Abgeordnete eindringlich darauf hin, dass Österreich im In- und Ausland an seinem Umgang mit den Volksgruppen gemessen werde. Dieser Umgang mit ethnischer Vielfalt und Diversität komme somit einer „Visitenkarte Österreichs“ gleich​.

Die Erhöhung der Volksgruppenförderung ist für Volkgruppen existenziell. „Für viele Organisationen geht es ums Überleben. Sie stellen sich jedes Jahr die gleiche Frage: ob sie den Schul- und Kulturbetrieb oder ihre Medientätigkeit – jährlich mit faktisch weniger finanziellen Mitteln – noch länger aufrechterhalten können. Voglauer weiter: „Hier geht es um die Sicherung von Bestand und Entwicklung österreichischer Identität. Diese kommt in den Volksgruppen zum Ausdruck, zu deren Erhaltung sich die Republik Österreich ausdrücklich in der Bundes-Verfassung bekannt und verpflichtet hat.“​

Gefahr im Verzug - Volksgruppenförderung wurde seit 25 Jahren nicht erhöht.

Durch den monetären Wertverlust sei den Volksgruppen bereits über das letzte Vierteljahrhundert ein nicht wiedergutzumachender Schaden entstanden. „Den Verlust an angewandter Sprache, an gelebter Kultur und Tradition, an gelebter Bildung – diesen können wir nicht rückgängig machen oder ausgleichen. Was wir aber tun können und müssen, ist eine Paketlösung für die Volksgruppenförderung im Jahr 2021 ausverhandeln, um den Erhalt der Volksgruppen in Zukunft zu sichern“, so Voglauer.​

Die Minderheitensprecherin der Grünen geht von einem Mehrbedarf von mindestens 4 Millionen Euro gegenüber den Vorjahren aus. „Zum einen braucht es allein schon eine Verdoppelung der Volksgruppenförderung, um an das Niveau von vor 25 Jahren anzuschließen. An dieser führt kein Weg vorbei. Damit ist es aber noch längst nicht getan. Was wir neben einer spürbaren Erhöhung der Volksgruppenförderung brauchen, ist ein eigener
Budgetansatz zur Förderung der Medienlandschaft und die Einrichtung eines Kulturfonds für Volksgruppen“, fordert Voglauer. Diese Maßnahmen sind auch im Regierungsübereinkommen mit der ÖVP so verankert. Um die Diskussion über den Ausgleich des Wertverlustes aufgrund von Inflation nicht jedes Jahr neu führen zu müssen, brauche es aus Sicht der Nationalratsabgeordneten eine automatische jährliche Inflationsanpassung.

Weichen für eine zukunftsorientierte Volksgruppenförderung stellen - eine Investition in Kompetenz und Identität.

Im heute für das Jahr 2020 diskutierten Budget ist die Volksgruppenförderung unverändert mit 3.969.000 EUR dotiert. Bereits im Sommer beginnen die Verhandlungen für das Budgetjahr 2021. Die Volksgruppenförderung soll modern und zukunftsweisend werden, etwa durch Investitionen in Digitalisierung. „Neben Investitionen beispielsweise zur Erledigung von Behördenwegen im virtuellen Raum, ist es unser erklärtes Ziel, in Zukunft auch die Frauen und die Jugend gezielt zu fördern. Darüber hinaus geht es auch darum, das Bildungsangebot in Volksgruppensprachen quasi vom Kindergarten bis zu den Universitäten sicherzustellen“, erklärt Voglauer.​

Nach einem Vierteljahrhundert der finanziellen Durststrecke muss den Volksgruppen endlich wieder eine Zukunftsperspektive eröffnet werden. Auch ist die Tätigkeit von Volksgruppenangehörigen, die jetzt nur ehrenamtlich möglich ist, in Zukunft finanziell abzugelten. „Jeder Euro, der für die Förderung der sechs anerkannten Volksgruppen aufgewendet wird, ist eine gute Investition – eine Investition in die österreichische Identität und kulturelle Vielfalt und somit eine nachhaltige Anlage in die tragenden Säulen und Grundwerte Österreichs.“, so Voglauer.​


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Mag.a Deva Zwitter, M.A.I.S.
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